Reha nach einem Kreuzbandriss

Es ist passiert und die Horrordiagnose ist da. Kreuzbandriss. Ganz gleich ob Leistungssportler oder Büroathlet, diese Verletzung ist eine der schwersten, die du dir zuziehen kannst. Sie wird dich nun über mehrere Monate tagtäglich einholen. Ich habe viele Sportler kennen gelernt, die selbst Jahre nach dem operativem Eingriff mit Folgeproblematiken kämpfen. Nicht selten ist daran meiner Meinung nach eine mangelhafte Reha und Nachbehandlung schuld.

Deshalb ist mir dieser Artikel sehr wichtig. Ich greife die wichtigsten Punkte auf, die es dir hoffentlich ermöglichen, eine Reha schnell und effektiv durch zu führen. Ich gebe dir einen exklusiven Einblick in die post-operative Behandlung eines Sportlers nach dem Riss des vorderen Kreuzbandes. Im Video siehst du den Verlauf der Heilung anhand progressiv steigender Belastung.

Bei diesem Sportler handelt es sich um einen American Football Spieler mit dem Hauptberuf Schüler. Tatsächlich war dieser Athlet vor seiner Berufung in die deutsche Auswahl, als die Verletzung passierte. Es hätte kaum tragischer sein können. Daher habe ich die Möglichkeit erhalten, mit ihm zu arbeiten, mit dem Ziel ihn möglichst schnell aber gesundheitsorientiert auf einen entsprechenden Leistungsstand zu bringen.

Schau dir nun das Video an. Dieses entstand 2016 mit dem Einverständnis des Sportlers. Du siehst die Rehabilitation und das Training in einem Zusammenschnitt mehrerer Wochen.

Jetzt hast du eine Vorstellung, wie zielgerichtetes, funktionelles Training und Therapie in der Anwendung aussehen. Viele der Bewegungen sind bereits auch während der Rehabilitation Football-spezifisch ausgelegt. Das ist für jeden Leistungssportler äußerst wichtig! Deshalb komme ich nun zu meinen Punkten, die für deine Reha kritisch sind:

1. Beuge Verletzungen vor.

Es gibt keine Garantie, sich nicht zu verletzen. Aber du kannst deinen Anteil leisten. Und dieser Anteil ist meiner Meinung nach erheblich! Ich sehe in meiner Praxis immer wieder die gleichen Kompensationsmuster. Diese entstehen durch unseren sitzenden oder einseitig belastenden Alltag. Deshalb besteht deine tägliche Aufgabe darin, entgegen zu steuern. Mit Stretching, Bewegungsaufgaben oder speziellen Trainingsübungen. Machst du das nicht, nimmst du Verletzungen in Kauf.

Das Knie ist ein Gelenk, welches kaum Beweglichkeit in der Frontal- und Transversalebene aufweist. Das Sprunggelenk darunter und das Hüftgelenk darüber allerdings schon. Wenn diese beiden direkten Nachbarn Bewegungen und damit Belastungen nicht mehr oder zu gering auffangen, entsteht eine Überlastung des Kniegelenkes. Diese führt auf Dauer zu erhöhter Abnutzung und möglicherweise Verletzungen ohne Fremdeinwirkung.

Übungen, welche es dir ermöglichen Verletzungen zu vermeiden findest du auch in meiner Übungsdatenbank oder meinem Instagram Feed.

2. Such dir die beste Unterstützung.

Wenn du unglücklicherweise einen Kreuzbandriss erlitten hast, kann ich dir den folgenden Rat geben: Hol dir professionelle Unterstützung und Beratung! Ich selbst bin in Absprache mit dem Operateur während der OP anwesend. Nicht nur weil ich persönlich an der Materie Anatomie interessiert bin, sondern vielmehr um im Falle der Kreuzband Reha direkt nach dem Eingriff mit den ersten Interventionen zu beginnen. Diese sind natürlich minimal und sehr sanft. Aber sie sind notwendig. Häufig erhalte ich das Feedback, dass Patienten nach der OP erst einmal 2-3 Wochen geruht haben. Keine Bewegung und mit einer Schiene eventuell gar versteift wurden. Aber genau diese 2-3 Wochen sind entscheidend. Ich möchte sehr früh damit beginnen, der Kniemotorik wieder den Streckmechanismus zu erziehen. Dies geschieht wie du im Video siehst ohne eine Auftaktbewegung und ohne das Körpergewicht auf das Bein zu stellen.

3. Sei konsequent.

Natürlich gilt das nicht nur während deiner Reha, sondern davor und danach ebenso. Als Beispiel: Einer meiner Klienten hatte sich eine Verletzung zugezogen. In diesem Fall war es die Schulter. Auf Grund dieser Verletzung wollte er das Training absagen. Meine Frage war: Weil die Schulter weh tut, kannst du auch kein anderes Gelenk bewegen? Die Ausrede war schnell entkräftet und er kam nach wie vor regelmäßig ins Training. Wir konnten in den nächsten Wochen sukzessive seine Schulter wieder in Bewegungen einbinden. Was ich sagen will: Eine Verletzung so schwer sie sein mag, wird dich immer von bestimmten Bewegungen abhalten. Aber niemals von Allen. Auch aus diesem Grund ist eine professionelle Betreuung so wichtig, die mit ihrer Erfahrung das genaue Rezept für dich bereit hält.

4. Vertraue deinem Therapeuten.

Egal ob Physiotherapeut, Osteopath oder Sportwissenschaftler. Das von dir ausgewählte Personal für deine Reha wird dir helfen. Alle Tipps und Hausaufgaben, die ich meinen Klienten gebe sind nichts wert, wenn sie nicht befolgt werden. Führe daher die Anweisungen der Personen deines Vertrauens aus. Und das konsequent! Du brauchst deinen persönlichen Trainer oder Therapeuten. Ständig wechselndes Personal oder 20 Minuten Einheiten sind bei Weitem nicht ausreichend und haben mit Professionalität nichts zu tun.

5. Google nicht zu viel.

Und hol dir auch keine Zweitmeinung bei Yahoo ein. Setze auf dein Gefühl und logischen Menschenverstand. Fühlst du dich wohl bei deinem Arzt oder Therapeuten? Fühlst du dich verstanden und gut aufgehoben? Aus meiner Erfahrung: Ein Therapeut, der dich zur Reha in Trainingsmaschinen setzt, verfügt häufig über keine hochgradig funktionelle Ausbildung. Geführte Bewegungen in Trainingsgeräten schulen nicht deine Bewegungskompetenz. Und genau diese brauchst du in deinem Alltag oder Sport, um langfristig das Verletzungsrisiko zu minimieren. Es geht auch nicht ausschließlich darum schmerzfrei zu werden. Ich möchte mit deiner Reha deinen ganzen Körper trainieren. Bewegungsmuster sind unser Schlüssel zum Erfolg, nicht eine alleinige Schmerztherapie an der verletzen Körperregion.

6. Analysiere deine Gewohnheiten.

Ohne Fremdeinwirkung auftretende Verletzungen haben in den meisten Fällen ihre Ursache an einer anderen Körperstelle. Häufig verursacht durch unseren Alltag. Neben dem Sitzen am Schreibtisch oder dem Führen eines Fahrzeuges musst du auch über Gewohnheiten nachdenken wie das Gassi gehen mit dem Hund oder das Tragen einer Handtasche. In den meisten Fällen, werden diese und ähnliche Tätigkeiten immer mit der gleichen Seite durchgeführt. Über einen langen Zeitraum kann dies Beschwerden und Verletzungen begünstigen. Ausreichender Schlaf und eine gesunde Ernährung, ohne zu sehr in die Tiefe gehen zu wollen, sind mindestens die Hälfte der Miete für deine Gesunderhaltung!

Fazit

Es ist ohne differenzierte Betrachtung des Einzelfalles nicht möglich, spezifische gesundheitsorientierte Hinweise für eine effektive Reha zu geben. Meine Empfehlung ist daher: Informiere dich vorab über den Arzt/Operateur und Therapeuten/Trainer. Stelle deine Fragen und kläre -ganz wichtig- den Ablauf deiner Reha-Maßnahmen ab. Vermeide Pauschalangebote oder 0815 Behandlungen und reserviere dir deine regelmäßigen Termine und Konsultationen mit deinem Betreuungspersonal.

Dein Patrick Herzog